Kashima Shinryu Kenjutsu
"Kenjutsu, die Kunst des Schwertes, schärft insbesondere Präsenz, Konzentration und Achtsamkeit. Durch die Techniken, die man erlernt, kann man sich selbst schützen. Man ist körperlich fitter, erlangt eine besser Konstitution und Kondition, ist geistig wacher und ausgeglichener."
Jörg Kretzschmar, Dojo-Leiter
Kashima Shinryu ist eine alte traditionelle japanische Kampfkunst (koryu), welche sich auf Schwerttechniken (kenjutsu) konzentriert. Entwickelt wurde Kashima Shinryu während des von Bürgerkriegen geprägten japanischen Mittelalters und es heißt, seine Lehre beinhalte die Kernprinzipien japanischer Kampfkunst.
Fechtkunst (kenjutsu) hilft gut ausbalancierte und klar fokussierte Bewegungen zu entwickeln, die von Kraft und Geschicklichkeit geprägt sind. Gleichzeitig entfaltet sich das Prinzip „ma-ai“ – Bemessen des Abstandes und Präzision im Timing - welches seine Entsprechung in der Aikido-Praxis findet.
Kenjutsu im Forum

Diese Japanische Kampfkunst mit einer Jahrhunderte alten Geschichte, wurde durch Kunii Zen’ya, dem 18ten Oberhaupt des Kashima Shinryu (gest. 1966) wiederbelebt. In der heutigen Zeit prägt Inaba Minoru Sensei die Unterrichtung dieser Fechtkunst, aktueller Schulleiter des Shiseikan, Meji Jingu in Tokyo. Inaba Sensei war direkter Schüler von Kunii Zen’ya in den letzen Jahren vor dessen Tod und ist authorisiert Kashima Shinryu Kenjutsu zu unterrichten, obwohl er kein Mitglied der Kashima Shinryu Federation of Martial Sciences ist.
Das Training umfasst hauptsächlich die Arbeit mit dem Bokken (Holzschwert). Es werden aber auch Battojutsu, Techniken des Schwertziehens, besser bekannt als Iaido, trainiert.
Geschichte des Kashima Shinryu
Die Schwertkunst, bekannt unter dem Namen Kashima Shinryu (übersetzt: göttliche Schule von Kashima) entwickelte sich in der unruhigen Epoche des japanischen Mittelalters. Viele Schwert-Traditionen, die im Bezug zu Kashima Shinryu stehen, kommen aus den nördlichen Provinzen von Tokio und führen zurück ins 14. Jahrhundert (der Legende nach sogar bis ins 8. Jahrhundert). Es heißt, die Kashima Lehre sei das Herzstück des Budo. Der Kashima Shinryu-Kampfstil stammt aus dem 16. Jahrhundert und wurden von Matsumoto Bizen-no-kami und Kunii Kagetsugu („Genpachiro“) entwickelt.
Inaba Sensei

Matsumoto (1468-1524?) war Oberaufseher des Shirakawa Kashima Schrein, einem Shinto-Schrein im heutigen Fukushima. Er war ein angesehener Offizier, der seine gewöhnlichen Pflichten aufgab, um sich der Suche nach einem Budo zu widmen, welches die Einheit von Geist und Handlung verkörperte und eine volkommene Huldigung der spirituellen Lehre des Kashima-Shintoismus darstellte.
Genpachiro (1477-1543) war das 22. Haupt der Kunii Familie, einem Samurai Clan, dem das Land um das Yasukawa Schloss in der Provinz Hitachi gehörte (heute: Ibaraki Präfektur). Er reiste zum Großen Schrein von Kashima, traf dort auf Matsumoto um mit ihm zu trainierte und half dabei die Techniken zu entwickeln, welche später Kashima Shinryu genannt wurden.
Zwischen 1477 und 1600 war Japan aufgrund der Kämpfe zwischen den Feudalherren in ständigem Aufruhr. Takeda Shingen, einer der größten Samurai Generäle dieser Zeit erlernte Kashima Shinryu von Kamiizumi Ise-no-kami, der in seinen Schlachten kämpfte. Takeda schätzte ihn und seine Kunst sehr.
Jedoch waren Takeda und seine Verbündeten 1573 in mehreren Kämpfen gegen den Kriegsherrn Tokugawa Ieyasu besiegt worden. Als Ieyasu seinen Vormachtstellung im Osten des Landes ausbaute, wurde die politischer Stellung der Kunii Familie und ihre Verbündeten zunehmend gefährdet. 1603 kämpfte Kunii Yajiro Yoshimasa, das 5. Oberhaupt der Schule, in der Entscheidungsschlacht von Sekigahara auf Seiten der Verlierer. Ieyasu vereinte Japan und setze das Tokugawa-Shogunat ein, welches bis 1868 herrschte.
Aufgrund der Verbindungen und Loyalität zu Takeda , wurde Kashima Shinryu von den Tokugawa verboten und seine Anhänger mussten in den Untergrund oder ins Exil. Wenn auch die Kunii Familie das offizielle Haupt der Schule blieb, so konnten die folgenden Generationen nach Yoshimasa ihre Unterrichtung nicht mehr öffentlich ausüben und einige Mitglieder des Kunii Clans führten die Tradition des Budo gar nicht mehr weiter. Mit der Einführung des Tokugawa-Shogunat zogen sich die Angehörigen der Kunii Familie nach Fukushima zurück und wurden zu Landwirten.
Kunii Zen'ya

Die geheimen Techniken des Kashima Shinryu konnten jedoch von den nachfolgenden Uchideshi (Meisterschüler) Matsumotos bewahrt und weitergegeben werden. Okuyama Kyugasai Sensei, der erste der Schüler, wurde von Ieyasu noch respektiert und ihm wurde erlaubt den Shinkage-ryu zu unterrichten. Der nachfolgende Sensei Ogasawara Genjin musste nach China fliehen und kehrte erst nach dem Tod des Shogun ins Land zurück.
Für die nächsten 200 Jahre wurden die Kashima-Techniken geheim von einem Sensei zum nächsten weitergegeben, in der Linie der Schwertkämpfer, die dem Kunii Clan angehörten. Im frühen 19. Jahrhundert wurde Kunii Taizen, das 34. Oberhaupt des Clans und das 12. Kashima-Shinryu-Oberhaupt, in vierter Generation seines Hauses, ins Amt eines offizillen Reislagerverwalters des Shogunats berufen. Seine Rolle bei der Verteilung von Reisvorräten um die notleidene Bevolkerung vor Hunger zu bewahren, führte zu seiner Entlassung und hätte ihn beinahe das Leben gekostet. Er musste daraufhin seinen Samurai-Status ablegen und den Rest seines Lebens als Bauer und Gastwirt arbeiten. Taizen ist ein aktiver Schüler des Kashima und ein erfolgreicher Sensei und Meister der Schule gewesen. Ab diesem Zeitpunkt beschlossen die Kuniis sich ganz und gar der Lehre und dem Unterricht des Kashima zu widmen.
Die Einzigartigkeit in der Unterweisung des Kashima Shinryu Kenjutsu war das Konzept „Muso-ken“, „Ohne-Gedanken Schwert“. Die wesentlichen Grundsätze sind in folgendem Aphorismus enthalten:
Im Schwert, kein Schwert – es wird eins mit dem Körper
Im Körper, kein Körper – der Körper wird eins mit dem Kami /Geist
Wie ein tanzender Funke, glühend in seinem natürlichen Glanz
kein Zögern, keine Täuschung, kein Gedanke, keine Grenze…
Kunii Zen’ya (1895-1966) war das 18. Oberhaupt der Kashima Shinryu. Er studierte die Lehren einiger Meister. Dank ihm, konnte das Kashima Shinryu wieder eingeführt, erneuert und rekonstruiert werden. Sein Können war von solcher Größe, dass er als der „moderne Musashi“ oder „der Letzte der Schwert-Heiligen“ bekannt wurde.
Bokken
